| |
|
Spaltklang - Surprise
Fazzul Music, CD, fm 0821, 2004
|
| "Eine kraftvolle Produktion die etwas noch nie zuvor gehörtes erklingen lässt." | 1. Inmitten
2. Überall
3. Patterns
4. Sadness
5. Irgendwo
6. Spuren
7. Flammen
8. So weit das Auge reicht
Totale Spielzeit: 54'00''
| Markus Stauss: Saxofone
Stephan Brunner: Electrobass
Oliver Vogt: Bratsche
Rémy Sträuli: Schlagzeug & Synthesizer
| Kompositionen: Markus Stauss
Aufnahmen: Benno Hofer TON-ART Basel, January 30th & 31st 2004 |
|
|
Kritiken
After a fabulous debut with Alpenglühen, Spaltklang returned two
years later with their sophomore album entitled Surprise. The album's
musical content in itself isn't a surprise, but it is surprising how
much beauty and compositional skills are hidden within Markus Stauss's
group of merry men.
The album may be called Surprise, but the
music doesn't really come as a surprise. Musically, it picks up pretty
much where Alpenglühen left off. Spaltklang have created their own
unique style and they're sticking by it. I say all the more credit to
them because they have truly created a fine blend of chamber music and
scorching jazz rock. Surprise not only continues the legacy of
Alpenglühen, but it is actually a step further in the group's
development, with even more beautiful chamber melodies and even fiercer
jazz rock playing.
It's so fresh to hear a band which is still
capable of thrilling us with the quiet parts as well as the louder
ones. The quiet segments seemed to have almost disappeared in the last
years due to compression and modern production, but Spaltklang still
deliver on this front, creating some very intense chamber moments, as
well as some fierce jazz rock playing. Again, the musicians all put in
stellar performances, helping to bring Markus's vision to life.
As
I've said, regardless of the title, I'm not really all that surprised
by what I hear here. Spaltklang have already proven themselves and this
effort just reinforces their credibility as composers, arrangers and
performers. Surprise is yet another excellent work, which gives me
great pleasure every time I hear it. Spaltklang have already created
their own sound with their previous effort, so this isn't that
original, but in terms of sheer beauty and enjoyment Surprise certainly
tops Alpenglühen.
Wer Spaltklang bereits mit "Alpenglühen" kennengelernt hat, der dürfte über das bei "Surprise" gebotene nicht unbedingt überrascht, aber vielleicht doch erfreut sein. Wer bei Spaltklang mit "Surprise" einsteigt, darf sich auf einiges gefasst machen.
Auf ihrem zweiten Longplayer verfeinern Spaltklang ihren Stil. Obwohl "verfeinern" angesichts der gewissen Brachialität, die Spaltklang innewohnt, etwas verharmlosend klingt. Hier röhrt und rifft das Sax wie wild, da kratzt die Bratsche, der Bass dröhnt profund im Untergrund, gelegentlich wabern seltsame Keyboard-Klänge durch den Raum und dazu spielt das Schlagzeug wuselige Fills und Breaks. Und das alles mit einer fast erschreckenden Präzision. Was besonders deswegen erschreckend ist, weil dies alles "live im Studio" ohne Overdubs eingespielt wurde.
Spaltklang durchstreifen jazz-rockiges, fast kirmesmusik-artiges, moderne Klassik und avantgardistisches... aber das alles mit mehr Kraft, mit mehr Selbstbewußtsein als noch auf "Alpenglühen". Der fast initime Klang des Albums, der doch ein bisschen zurückhaltend wirkte, ist einem direkten Brachialklang gewichen, der einen förmlich anspringt. Prog-Punk, wenn man so will. So ist man beim mitreißenden Opener "Inmitten" auch wirklich gleich mitten im Geschehen. Klangabenteurer kommen bei Spaltklang in jedem Fall auf ihre Kosten.
Dem ausgeflippten Saxofon von Markus Stauss kann Olivier Vogt mit der Bratsche diesmal ordentlich Kontra bieten, so dass die Rollen etwas ausgeglichener verteilt sind. Wenn dann beide gemeinsam Gas geben und riffen als wenn es kein morgen gäbe, dann fegt das Album wie ein Sturm über den Hörer hinweg. Dazu noch das abwechslungsreiche Getrommel von Ausnahme-Schlagzeuger Rémy Sträuli, perfekt.
Trotz allem ist Markus Stauss Saxofon-Spiel schon der charakteristische Faktor bei Spaltklang. Also ist das nichts für Sax-Averse? Sollte man meinen.... aber ich würde in diesem Fall das Gegenteil behaupten: Gerade Sax-Hasser sollten sich das mal anhören! Wer bisher David Jackson erfolgreich widerstehen konnte, der wird vielleicht von Markus Stauss bekehrt. Ulterior Lux und mehr noch Spaltklang sind sozusagen die erfolgreiche Sax-Hör-Schule. Wer danach mit dem "Getröte" immer noch nichts anfangen kann, gut der wird wahrscheinlich nicht mehr bekehrt werden und sollte sich auch nicht länger quälen. Also: Mal antesten! Und wer Spaltklang noch gar nicht kennt (siehe Anfang), tut sich vielleicht mit "Surprise" ein bisschen leichter in deren musikalische Welt einzusteigen, weil "Surprise" offener als "Alpenglühen" wirkt (und "Lontano" ist eh' eine ganz andere Geschichte). Viel Spaß!
Instrumentaler, improvisierter RIO... Jazz... Avant...?!?! Alle, die bisher
gedacht haben, dass sie mit diesen Ausdrucksformen musikalischer Aktivität
nichts anfangen könnten, heben bitte die Hand... *handheb*. Federführendes
Sax-Gebläse? Was soll ich denn mit Getröte anfangen? Bratsche? Ein
Lichtblick!
Markus Stauss ist nach eigener Aussage (nachzulesen auf zugehöriger Website)
ein ruhiger, zurückgezogener, eher introvertierter Zeitgenosse. Seine
musikalischen Ergüsse erweisen sich als um so rabiater. Spaltklang ist der Name
für ein Zupf-, Blas- und Streich-Ensemble mit Percussion. Surprise ist das
zweite Album dieses Projekts und verarbeitet Kompositionen aus der langjährigen
Karriere Stauss'. Kennen tue ich diese Ur-Kompositionen nicht, aber wenn Stauss
selber sagt, dass die Arrangements in radikaler Weise umstrukturiert wurden, so
glaube ich das sofort. Dabei geht es hier nicht etwa um unhörbares "Geplinge",
schräges, abgefahrenes "Disharmonieren" oder gar Krach... Nein, Spaltklang
überraschen auf diesem Album mit einer ungeheuer lockeren Verarbeitung von
jazzigen Momenten, kammermusikalischen Akzenten und sogar rockigen Ausbrüchen.
Stimmungen zwischen Melancholie, Aggression und Jahrmarkt-Flair sorgen für
Abwechselung, keinesfalls kommt der Humor zu kurz und wir haben es nicht mit
"schrecklich wichtigen" Kopfmusikern zu tun. Spaltklang machen Spass!
Die Band klingt wie das Missing Link zwischen Univers Zero und Alamaailman Vasarat und das
darf der geneigte (und sabbernde) Fan wörtlich nehmen. Hier und da wird es
relativ "free", manchmal tauchen seltsame Synthie-Sounds auf, aber im großen und
ganzen musiziert die Combo diszipliniert bis rockig. Percussion und Bass sind
grandios, die Bratsche setzt zu Tränen rührende Akzente, Stauss Sax-Einlagen
bleiben als druckvolle Soli hängen, oder duellieren sich mit dem Streicher. Eine
sauspannende Mischung.
Spaltklang's Surprise ist eine solche für meine "Avant-unerfahrenen" Ohren.
Ein Volltreffer ins Zentrum des abgefahrenen "Adoptiv-Progs" und vielleicht eine
der Platten, die den Weg vom Prog zum Jazz öffnen könnten. Empfehlung, Ihr
Bekloppten da draussen!
The second album from this Swiss quartet takes them much farther! Their debut, while good enough, was just the appetizer. ... This time the band is much tighter & the compositions darker and more interesting. Eight compositions take the group through many moods and changes. If one had to make comparisons, you could say that this music is the perfect marriage of Curlew & Univers Zero. The arrangements rely heavily on the viola of Olivier Vogt mingling & bouncing off of Markus Stauss´ sax playing. The way Vogt plays recalls some of the early Univers Zero albums or maybe even Art Zoyd. Markus´ sax playing is superb throughout recalling George Cartwright of Curlew, Lol Coxhill's soprano solos, Gato Barbieri's powerful tenor sound or even the great John Coltrane! Stephan Brunner's bass playing is very solid recalling Guy Seger (UZ) in places and the drumming by Yolk member Rémy Sträuli is sort of like a cross between Pip Pyle and Chris Cutler. He also injects some eerie keyboard passages that recall the experiments in Germany in the early 70s. This is a powerful record not to be missed! Highest recommendation!!
Der vulkanische Markus Stauss offeriert uns hier ... unter guter Begleitung von Rémy Sträuli (Yolk) und anderer Musiker der Kultszene Schweiz.
Das neue Album ist viel homogener, reifer und ausgewogener; wenn man so will, sogar etwas, zum Geniessen und auch progressiv, mit einer grösseren Ausgewogenheit der Themen und der Instrumentierung, unter denen die Viola die wichtigste Rolle einnimmt; sie gibt dem Projekt einen kammermusikalischen Stempel. Das Saxophon bleibt jedoch, wie beim Alpenglühen, mehr oder weniger dominant ... Es bleibt jedoch eine Produktion, die dennoch nicht als leicht verdaulich bezeichnet werden kann ...
Ausgeführt in makelloser Weise und mit einer enormen Kenntnis und Erfahrung im technisch kompositorischen Bereich, demonstriert Markus, auch nach Jahren künstlerischer Laufbahn, grosse Begeisterung und viel Willen zum Produzieren, immer bereit, neue und entwickelte musikalische Territorien zu erforschen, kompromisslos und ohne Hintergedanken, nur wegen dem Vergnügen am Musikmachen.
Extrem empfohlen für alle diejenigen die ein Territorium erforschen wollen, dessen Grenzen voll von Hindernissen und Schwierigkeiten, aber von unglaublicher Faszination sind (ein wenig wie die Wege die nach Agartha)
Und hier noch das italienische Original in voller Länge:
Il vulcanico Markus Stauss ci propone il secondo lavoro dell’ensemble Spaltklang, ben coadiuvato dal fido Remy Strauli (Yolk) e da altri musicisti della scena “colta” Svizzera.
Il nuovo album risulta immediatamente più omogeneo, maturo ed equilibrato, se vogliamo anche più fruibile e progressivo con un maggiore bilanciamento nei temi e nelle parti strumentali, tra le quali la viola recita un ruolo più importante, dando un’impronta più cameristica al progetto. Il sax rimane comunque presente ma è meno predominante rispetto ad Alpengluhen.
Da segnalare la presenza di due brani tratti da Ulterior Lux, altro rimarchevole progetto della famiglia Fazzul music (due album all'attivo), i pezzi in questione (Inmitten e Patterns, tratti da "Evergreen") sono ora più morbidi, meglio arrangiati ed ispirati.
Rimane una produzione comunque non di facilissima digeribilità, a tratti abbastanza schematica e quadrata, ma di indiscutibile valore artistico e comunque più godibile e fluida rispetto al primo lavoro di Stauss e compagni. Il genere è sempre il solito, cameristica d’avanguardia che attinge a piene mani dalla classica contemporanea, dal prog e dal jazz-rock.
Eseguita in modo impeccabile e con una grande perizia tecnico-compositiva, Markus, dopo tanti anni di carriera artistica dimostra di avere ancora tanto entusiasmo e ancora molta voglia di produrre ed esplorare territori musicali sempre nuovi ed evoluti, senza compromessi o secondi fini, ma solo per il gusto e il piacere di fare musica.
Consigliatissimo per tutti coloro che vogliono esplorare un territorio di confine pieno di ostacoli e difficoltà ma con un terribile fascino (un po’ come le vie che portano ad Agartha……).
Surprise is the new album of the Swiss band Spaltklang. It´s 2004 and this is a surprise? For me is a confirmation that I can count on the music done by these Swiss monsters !!
It was years ago when I first heard of this band and in 2002 the first Spaltklang release broke forth with the band's distinctive, original sound and uncommon line-up. The music then was a kind of jazzrock meets chamber music meets progressive and my reaction could be described in a single expression - WOW !!
Now in 2004 we have their latest release, Surprise, and it confirms my expectations for this band whose name inspires this reviewer. The sound within is split but not only split - as the music develops from immense silence, O think of dark rooms with old bottles (some empty some still closed), old sofas, yellow walls... then it turns to obsessive fast - growing - repetitions which raise constantly with little but hearable variations on the melody.
It is amazing how viola and sax seem to fly over the different grounds yet mixing with them - the first more into medio-evil classic vein the latter creating a killer jazz-rock situation. The bass and drums join the fray by kicking through with weird and curious tempos that make me very happy. Sometimes a synth comes across the simultaneous deliriums of the sax/viola tandem. All in all it is just amazing.
We also find here the reprise and reload of tunes from other Markus Stauss projects such as Überfall and Ulterior Lux... - revisited melodies with an "evergreen" flavour.
I highly recommend this album to jazzrock and progrock listeners who have an interest in chamber rock. This fresh and original band and the album Surprise delivers something absolutely not heard before that succeeds in "splitting" our heads.
"Surprise" sagt es. Eine Überraschung, so schnell nach ihrem Album "Alpenglühen" wieder von Spaltklang zu hören. Musikalisch ist die Überraschung ungleich größer. Das virtuose Musizieren macht große Freude! ... Saxophon und Bratsche, oftmals unisono, aber auch schon mal im "kriegerischen" Gegeneinander, beherrschen das melodische Feld vor den anderen Instrumenten. Bass und Schlagzeug sind mehr als die kraftvolle, dynamische und breakgewitternde Rhythmuscrew. Der Bass mischt in leisen Passagen selbstbewusst im Melodiegeschehen mit, während Rémy an den Knöpfen seines Synthesizers dreht und hier leisen Hintergrund und dort gewaltigen Lärm entstehen lässt. Saxophon und Bratsche passen erstaunlich gut zusammen, ergänzen sich im instrumentalen Klang. Das Saxophon mit scharfen, kantigen Tönen kann als Gegensatz die weichen, zarten Laute der Bratsche gut gebrauchen. Das kann mitten in einem Song plötzlich anders herum funktionieren, wenn das Saxophon das Motiv formuliert und die Bratsche ein faszinierendes Solo darüber gießt. ... Die Kompositionen sind differenzierter, beziehen improvisativ wirkenden Jazz ein, und sind so eine farbenfrohe, lebhafte Mischung aus Rock, Jazz und Klassik. Hin und wieder verlässt die Band die strukturierten Pfade und improvisiert ausgezeichnet, da tut sich vor allem der Bass hervor, der von dieser Lebhaftigkeit durchaus mehr bringen könnte. Nicht nur in "Irgendwo" haben Univers Zero Pate gestanden. Spaltklang sind jedoch längst nicht so düster und abgründig molllastig wie die Belgier, ihre Songs sind beschwingter, lässiger, frecher. Die Songs sind insgesamt aber ernster als ihre Titel. Da heißt so ein Song schon mal "inmitten" oder "überall" und gar "So weit das Auge reicht". Da hat einer Gimli zugehört! Doch die kompositorischen Ideen sind nicht so leicht, vielmehr in aller Komplexität und Virtuosität etwas nüchtern, in aller Morbidität und schweren Lust fehlt ein Quäntchen Atmosphäre, liegt eine gewisse Anspannung in der Luft, sind die Songs emotional leicht unterkühlt. Simpel gesagt gibt es einen Überhang Klassik ohne entsprechendes Jazz-Gegengewicht. Das ist aber Auslegungssache. Wer es ernster mag, formaler, strikter und konsequenter, wird genau dies lieben. "Surprise" ist eine positive Überraschung, ein tolles Werk, das längst viel Humor und Emotionen hat. Unbedingte Empfehlung!
|  |
|
|
|